Bürgerinitiative

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Rückblick auf 30 Jahre Bügerinitiative (BI) Stirpe

Auf drei Jahrzehnte bürgerliche Aktivität und Widerstand gegen geplante Maßnahmen, wie etwa die in den 1990er Jahren vorgesehene Errichtung einer Hochmülldeponie, unweit den Toren ihres Heimatortes, blickt die Bürgerinitiative (BI) Stirpe zurück. Warum die Geschichte der BI nicht nur von Triumphen, sondern auf von tränenreichen Rückschlägen gekennzeichnet ist, darüber haben BI-Vorsitzender Georg Knoop, seine Frau Anneliese und Kurt Heppe, treuer Vereins-Weggefährte, mit unserer Zeitung gesprochen.

Sage und schreibe 80 Ordner – jeder einzelne von ihnen prall gefüllt mit etlichen Gutachten, behördlichen Schreiben und einer Vielzahl von Presseberichten – zieren das Büro und einen Teil des Dachbodens im privaten Wohnhaus von Georg Knoop. Die abgehefteten Zeitzeugnisse stellen allesamt ein eindrucksvolles Dokumentations-Werk der vergangenen 30 Jahre dar. Die Ordner beinhalten die Ereignisse und Anliegen rund um die Verhinderung der Errichtung der geplanten Hochmülldeponie sowie das sich ebenso seit vielen Jahren hinziehende Prozedere um den geplanten Bau der Umgehungsstraße B55n, westlich von Stirpe und Weckinghausen.

Gemeinsam mit seiner Ehefrau Anneliese und seinem engen Freund und ebenso Mitbegründer der BI, Kurt Heppe, blättert Knoop durch die Ordner. Erinnerungen – mal erfreuliche, mal negativ behaftete – werden bei den drei rüstigen Rentnern wach.

An Ort und Stelle, also genau an den einst potenziellen Standorten, möchten die drei BI-Mitglieder ins erzählerische Detail gehen und interessante Informationen zum langjährigen Verfahren „Standortsuche Hochmülldeponie vor Stirpe“ preisgeben.

Georg, Kurt u. Anneliese
An Ort und Stelle, also genau an den einst potenziellen Standorten, möchten die drei BI-Mitglieder ins erzählerische Detail gehen und interessante Informationen zum langjährigen Verfahren „Standortsuche Hochmülldeponie vor Stirpe“ preisgeben.

Beginnend am „Großen Südfeld“, süd-westlich von Stirpe, setzt das Trio die Berichterstattung fort. „Dieses Ackerfeld war eines von zwei Standorten, die damals in die engere Auswahl gezogenen wurden. Man mag es sich nicht vorstellen, wenn heute hier eine riesige Hochmülldeponie stehen würde. Und wir alle, die hier gerade zusammenstehen, würden, je nach Windrichtung, die volle Dröhnung an Müllgerüchen einatmen. Die ganze Anlage hätte eine Größe von 100 bis 120 Hektar gehabt und die Höhe des Müllberges hätte 40 bis 45 Meter betragen“, schildert Georg Knoop und beleuchtet in diesem Zuge sogleich den Grund dafür, warum der Kreis Soest sich damals einem solchen Vorhaben annahm. „Der Kreis Soest entsorgte bis zum Jahr 1990 seine Siedlungsabfälle auf den Deponien der Städte Werl und Erwitte. Aber die Laufzeit der Deponie in Erwitte war auf das Jahr 1994 begrenzt. Der Kreis Soest sah daher die Planungsnotwendigkeit für die Errichtung einer Folgedeponie. Im Juni 1990 beauftragte der Kreis ein Umwelt- und Landschaftsplanungsbüro aus Münster mit der Standortsuche einer zukünftigen Deponie. Die Suche erstreckte sich dabei auf den Ost-Kreis“, so Knoop. Nur zu genau erinnert er sich noch an die Veranstaltung in der Erwitter Hellweghalle, wo das zuständig gewesene Untersuchungsbüro den Bürgern das Suchverfahren vorstellte.

Kurz darauf haben sich zahlreiche Bürgerinitiativen in den jeweils betroffenen Wohngebieten nahe der potenziellen Deponiestandorte gebildet. Aktiv wurde man auch in Stirpe. Und eine Riege aktiver Bürger hob dabei die Bürgerinitiative (BI) aus der Taufe. „Diese wuchs innerhalb eines Jahres auf mehr als 600 Mitglieder“, so Knoop. Der Gesamtvorstand der BI Stirpe bestand anfangs aus 20 Mitgliedern. Georg Knoop, Ludger Alles, Heinrich-Jürgen Mendelin, Josef Reimann, Edeltraud Dietz, Regina Stanke, Sylvia Bünn-Lindenstruth und Heinz Uphoff waren Mitglieder des geschäftsführenden Vorstands der ersten Stunde.

Einen wichtigen Erfolg hat die BI im Jahr 1993 feiern können. Wegen der im „Großen Südfeld“ vorkommenden Wiesenweihe – einer besonderen Greifvogelart –, ist dieser Hochmülldeponie-Standort verworfen worden. Doch mit dem darauffolgenden Kreistagsbeschluss, in welchem die Standortentscheidung für das Gebiet „Clüsener Broich“ fiel, hat die Bürgerinitiative einen herben Rückschlag hinnehmen müssen. „Als ich die Nachricht des Kreistages hörte, brach ich in Tränen aus“, bekräftigt Knoop. „Aber wir haben nicht aufgegeben und kämpften weiter. Der Ansporn war einfach zu groß, der Ungerechtigkeit keinen freien Lauf zu lassen“, fügt Anneliese Knoop hinzu.

Rund 1000 Menschen demonstrierten 1991 auf Gut Berkenbusch gegen die Hochmülldeponie –        Standorte – trotz „brütender Hitze“, wie unsere Zeitung damals schrieb. Archivfoto: Görge

Demonstration Gut Berkenbusch 1991
Standorte – trotz „brütender Hitze“, wie unsere Zeitung damals schrieb. Archivfoto: Görge

Die Fahrt führt schließlich weiter zum „Clüsener Broich“, wo die Drei den Rückblick fortsetzen. 1995 nutzte Georg Knoop den ersten öffentlichen Auftritt des Petitionsausschusses im Landtag, der in Arnsberg tagte, zur medienwirksamen Darstellung des, nach seiner Ansicht, „Verstoßes gegen geltendes Recht“. Die Petition führte zu dem Ergebnis, dass der Landtag dem Kreis Soest empfahl, seine Entscheidung bis spätestens Ende 1998 zu überprüfen. Im September 1997 wurde der Standort „Clüsener Broich“ offiziell gekippt. Die Folge: Der Kreistag hob seinen Beschluss von 1993 auf und die Errichtung der Hochmülldeponie war somit verhindert. „Hätten wir nichts getan, wäre die geplante Deponie im Clüsener Broich längst in Betrieb genommen worden“, sagt Mitstreiter Kurt Heppe. „Die Lebensqualität der Bevölkerung in Stirpe wäre stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Es lohnt sich also, für das Allgemeinwohl und für die Gerechtigkeit zu kämpfen“, betont Georg Knoop.

Und obwohl die drei Mitglieder mittlerweile im verdienten Ruhestand weilen, wollen sie ihre Aktivität noch nicht beenden. „Es gibt viel zu tun. Das Thema Umgehungsstraße B55n ist omnipräsent. Hierfür muss noch eine vernünftige Problemlösung gefunden werden. Wir von der BI bleiben auch da am Ball“, sagt Georg Knoop. 30 Jahre aktiv und noch kein Stück amtsmüde geworden – das spricht für das engagierte Kollektiv und ihre nicht abreißende Liebe zum eigenen Heimatort.

Quelle:  Der Patriot – Ausgabe vom 19.11.2021 / von Georg Giannakis

 

Bürgerinitiative gegen den Bau der B55 n
westlich von Stirpe und Weckinghausen (e.V.)

Vorstand:
1. Vorsitzender: 
Georg Knoop
Stellvertreter: Ingeborg Büker, Martin Reiman
Geschäftsführerin: Edeltraud Dietz,
Vertreter: Andreas Weiß
Gesamtvorstand: 13 Personen

Arbeitskreis:
Geschäftsführender Vorstand, Beisitzer und 6 weitere Mitarbeiter

Vereinszweck:
Beim Bau der geplanten B55 n soll sichergestellt werden, dass die konfliktärmste Lösung zum Tragen kommt. Die bestehenden Verkehrsprobleme im Raum Erwitte sollen im Einklang mit den Umweltbelangen, insbesondere dem Natur-, Umwelt- und Landschaftsschutz unter Beachtung des geltenden Rechts gelöst werden. Der existentiellen Sicherung der Landwirtschaft und der Beachtung der Region als das Heimat- und Kulturerbe kommt hierbei ebenfalls eine besondere Bedeutung zu.

Eigenständiger Umweltverband: 
Die BI ist seit 2011 als Umwelt-und Naturschutzvereinigung nach dem Umweltrechtbehelfsgesetz (UmwRG) anerkannt und damit in Umweltbelangen eigenhändig klageberechtigt.

Gründung und besondere Ereignisse:
1990 i.R. der Standortsuche für eine Hochmülldeponie im Kreis Soest

1997 werden die Pläne zur Kompostierungsanlage von der BI gekippt. Dez. 1997 hebt der Kreis Soest auch den Standortbeschluss zum Deponiestandort Stirpe im Clüsener Broich auf.

Am 2.2.2005 kann die BI den Termin zum Plansfeststellungsverfahren B 55 n vor dem OVG Münster für sich entscheiden.

Im Jahr 2008 wird das ergänzende Planfeststellungsverfahren zur B 55 n öffentlich ausgelegt, das nach 350 Einwendungen erneut zum Erliegen kommt und sich derzeit in einer neuen Prüf- und Plangsphase befindet.

Der Vorstand auf der Jahreshauptversammlung im Haus Vogel 2009

Chronologie der Bürgerinitiative B 55 n